Home

Ubuntu vs. Kubuntu

Freitag, 11. August 2006 | Autor: Moritz

Der Titel lässt es schon vermuten: Nur Ubuntu anzuschauen, hat mir keine Ruhe gelassen. Deswegen habe ich auch Kubuntu getestet. Und für besser befunden. Wieso? Bitte weiterlesen. ;)

Zuerstmal: Worin unterscheiden sich die beiden Distributionen überhaupt?

Ubuntu setzt auf die Oberfläche Gnome, während Kubuntu KDE, das “K Desktop Environment” einsetzt — daher auch das “K” in Kubuntu. Der ganze Unterbau, quasi das eigentliche Betriebssystem, ist in beiden Fällen identisch. Was die Unterstützung von Hardware angeht, ergeben sich zum Beispiel keinerlei Unterschiede, egal ob man nun Ubuntu oder Kubuntu startet. (Es gibt übrigens noch weitere Ubuntu-Ableger: Xubuntu zum Beispiel, das auf die Oberfläche XFCE setzt, die besonders schlank und daher auch für ältere Rechner geeignet sein soll. Ich werde sie mir vielleicht die Tage mal mittels der Xubuntu-Live-CD anschauen.)

Das Look’n'Feel und der Arbeitsalltag werden jedoch maßgeblich von der Wahl der Oberfäche mitbestimmt. Gnome und KDE sehen nicht nur unterschiedlich aus, sie bieten auch häufig unterschiedliche Vorgehensweisen um das gleiche Ziel zu realisieren. Gnome folgt dabei dem minimalistischeren Ansatz und versucht — überspitzt formuliert — für jede Aufgabe irgendwo genau einen Button zu bieten. In KDE kann man ein und das selbe oft auf unterschiedliche Arten und Weisen erreichen. Natürlich ähneln sich Gnome und KDE auch in vielen Dingen. Meiner Meinung nach macht es auch keinen Sinn, hier exemplarisch *die* Unterschiede anzuführen. Im Endeffekt sollte jeder die Oberfläche nutzen, die ihm am meisten gefällt. In meinem Fall ist das KDE — was mich selbst überrascht hat.

Als ich Gnome zum ersten Mal gesehen und benutzt habe, war mein Eindruck: Übersichtlich, schlank, effizient. Das konnte ich von KDE nicht sagen, dass ich jedoch nur von einigen wenigen, kurzen Tests vor mehreren Jahren kannte (Suse 8 war das damals…).

Nachdem mittlerweile mein WLAN (einigermaßen) funktioniert und auch mein Widescreen-Display ordentlich angesprochen wird, bin ich vor knapp zwei Wochen endgültig auf Ubuntu umgestiegen. Nur in den ersten beiden Tagen habe ich Windows nochmal kurz gestartet, um dort schnell irgendwas zu erledigen, weil die Software dort schon eingerichtet war.

Im Laufe der zwei Wochen installierte ich mehr und mehr Software. Für jede Aufgabe, die es zu lösen galt (z.B.: Musik hören) testete ich verschiedene Tools. Wie sich zeigte, war jene Software, die eigentlich für KDE gedacht ist, in fast allen Fällen hübscher und praktischer als die jeweiligen Gnome-Pendants. Dazu muss man sagen: Auch wenn KDE und Gnome unterschiedliche Oberflächen sind und auf unterschiedlichen Grafikbibliotheken basieren, so kann man doch Software vom einen auch im anderen System nutzen. Dazu müssen allerdings die benötigten Grafikbibliotheken des anderen Systems nachgeladen werden.

So schön mit Ubuntu auch gefiel, von der Geschwindigkeit, der “Snappieness”, von Gnome war ich noch nie begeistert. Das System reagierte immer schnell genug; an einigen Stellen — gerade den Dateimenüs, z.B. — hakte es aber ab und an ein bisschen. Das wurde durch die nachzuladenden KDE-Tools dann leider noch ein wenig schlimmer. Der Speicher meines Notebooks war einfach häufig etwas knapp; außerdem war das System durch die Verwaltung der verschiedene, parallel laufenden Gnome- und KDE-Prozesse merklich häufiger beschäftigt.

Da ich — was die Software anging — sowieso schon halb auf KDE umgestiegen war, entschloss ich mich vor drei Tagen, einfach mal das komplette KDE nachzuinstallieren (dazu genügt ein einfaches “sudo aptitude install kubuntu-desktop” in der Konsole). Seitdem bin ich mit KDE unterwegs. Gestern hab ich mich entschlossen, Gnome den Gnadenstoß zu versetzen und habe eine komplette Neuinstallation mit einer Kubuntu-CD gemacht. KDE läuft spürbar schneller, reagiert besser. Und jetzt, wo ich ‘ne Weile mit dem puristischen Gnome unterwegs war, muss ich auch sagen: KDE gefällt mir rein optisch besser. Es ist einfach ein bisschen verspielter und bietet viel mehr Möglichkeiten, die Oberfläche an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Außerdem kann ich hier meine ganzen schönen KDE-Progrämmchen laufen lassen, ohne dass irgendwelche Bibliotheken nachgeladen werden, die dann den Speicher verstopfen. :) Gnome-Programme haben unter KDE übrigens weniger gravierende Auswirkung: Deren Grafikbasis (GTK2) ist auch unter KDE schon geladen (oder wenn nicht, dann merkt man davon zumindest nichts :) ).

Hier mal eine kleine Software-Auflistung:

  • Browser: Firefox (basiert auf GTK2 und sieht daher eigentlich unter Gnome schöner aus; wenn man ihm jedoch ein schönes Skin verpasst, fügt er sich auch in KDE bestens ein)
  • Mail: GMail (mal sehen, ob ich irgendwann mal Lust habe, einen richtigen Mail-Client zu installieren; GMail funktioniert so gut, obwohl’s “nur” browserbasiert ist)
  • Musik: Amarok (viel schöner als Gnomes “Rythmbox“; hat außerdem praktischere Features wie automatische Anzeige von Songtexten, Albuminfos, dynamische und “intelligente” Playlisten …)
  • Video: Kaffeine (hübscher als Gnomes “Totem“; macht außerdem weniger Probleme mit exotischen oder proprietären Formaten wie WMV9)
  • Instant-Messenger: Kopete (Gnomes “Gaim” ist einfach nur hässlich und unpraktisch)

KDE hat viele weitere kleine Nettigkeiten:

  • “Klipper” im Tray gibt Zugriff auf die letzten Einträge der Zwischenablage
  • Ein Rechtsklick in ein Verzeichnis liefert ne Menge praktischer Aktionen: Terminal dort öffnen, Inhalte verschlüsseln (mit dem sehr gut gemachten “KGPG“), Inhalte mit Gwenview (Bildbetrachter) anschauen, … (insgesamt ist das also so ähnlich wie unter Windows)
  • KDEs Dateimanager Konqueror bietet Zugriff auf viele Datenquellen als wären sie ganz normale Verzeichnisse. FTP-Server lassen sich so einbinden (soweit nix besonderes), wodurch sich dann Dateien z.B. direkt auf dem Server bearbeiten lassen (genial!). Daten auf ‘nem Handy lassen sich so per Bluetooth ganz normal browsen. (Bluetooth ist unter KDE mittels KBluetooth ohnehin viel besser eingebunden als unter Gnome.)
  • Mit ein paar Klicks hat man die Titelleisten von Programmen so eingestellt, dass man die zugehörigen Programme mittels des Mausrads auf andere virtuelle Desktops “mitnehmen” kann. Das vereinfacht die Arbeit mit mehreren Desktops enorm!
  • Mit ein paar weiteren Klicks stellt man ein, dass Mausradscrollen über dem Desktophintergrund zwischen den virtuellen Desktops wechselt. Auch das hilft beim effizienten Arbeiten mit virtuellen Desktops.
  • und noch einiges mehr…

Ein paar Nachteile hat KDE natürlich dennoch. Hier mal ein paar, die mir bisher aufgefallen sind:

  • Netzwerk- und FTP-Ordner lassen sich nicht so schön auf dem Desktop “einhängen” wie unter Gnome. Unter KDE muss man sich die Verknüpfungen da selbst anlegen.
  • Gnome hat ein paar Panel-Applets, die ich unter KDE vermisse.Z.B. die praktische Anzeige des aktuellen Prozessortakts. Außerdem ist der Systemmonitor unter Gnome flexibler und leichter einzurichten. Was in KDE außerdem praktisch wäre: Ein Panel-Button, mit dem man nicht mehr reagierende Programme per Knopfdruck beenden kann (unter Gnome gibt’s das).
  • GTK-Programme zeigen auch unter KDE die eigentlich Gnome-eigenen Datei-Speichern/Öffnen-Dialoge. Die sehen unter KDE ziemlich hässlich aus und bieten außerdem weniger Funktionalität.
  • Bestimmt ein paar andere Kleinigkeiten, die ich jetzt schon wieder vergessen habe… ;)

Ich denke, insgesamt ist KDE dem guten alten Windows ähnlicher, als Gnome das ist. Gnome ähnelt schon rein optisch (ein Panel oben, eins unten) eher dem alten Mac OS 9 (ob sich’s auch ähnlich bedient, keine Ahhnung ;) ). Ich kann mir daher gut vorstellen, dass mir KDE auch deshalb besser gefällt, weil hier viele Sachen eher so funktionieren wie unter Windows (siehe Rechtsklick in Verzeichnis, z.B.). Ich würde auf jedem Fall jeden empfehlen, die verschiendenen Oberflächen mal miteinander zu vergleichen. Dabei können überraschende persönliche Preferenzen herauskommen! :)

Tags » , , «

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Linux

Diesen Beitrag kommentieren.

8 Kommentare

  1. Also dieser Artikel ist extrem subjektiv und dazu auch noch an einigen Stellen fachlich falsch. Ich hoffe das du dich in der Zwischenzeit schon mehr mit Linux beschäfftigt hast und nun viele deiner alten Aussagen revidieren kannst, wenn nicht würde ich dir nocheinmal diverse Bücher und Wiki-Artikel empfehlen.

  2. Der Artikel wird heute zwei Jahre alt. Da wundert es mich nicht, wenn so manche Info nicht mehr stimmt. Gerade bei Open-Source-Projekten tut sich viel in einer solchen Zeitspanne.
    Und natürlich ist der Artikel subjektiv. Genau darum geht es in diesem Artikel: Um meine (damalige) Meinung von KDE vs Gnome.
    Schlussendlich: Die letzten beiden Sätze des Artikels hast Du gelesen?

    *kopfschüttel*

  3. Moritz – der Artikel ist wirklich interessant.
    Nimm den Kommentar nicht so ernst. “Besserwisser” gibt es immer. ;-)
    Und nach 2 Jahren ist ein solcher Kommentar eh überflüssig.

  4. Ich finde den Artikel auch interessant.
    Ich habe schon öfters was von Kubuntu gelesen und deshalb wollte ich wissen was der grobe unterschied ist zu Ubuntu.
    Außerdem lasse ich Ubuntu gerade als live Version laufen. Ich habe da noch eine frage:
    Kann man Ubuntu bzw. Kubuntu Installieren wenn Windows XP und Windows 7 Bereits installiert ist? Also wegen den Bootloader meine ich. Ich teste zur zeit Ubuntu 10.04 .
    Und wie erkenne ich welche Partition die richtige ist bei der Installation? Habe mal geschaut bei der Installation und ich habe 2 Festplatten. ich möchte Ubuntu bzw. Kubuntu auf einer freien Partition Installieren auf der Festplatte ist auch Windows 7 Installiert. Da steht im Installation Menue immer nur dev1 dev2 usw.. Wie erkenne ich nun was die Partition auf welcher Festplatte ist?

    Ich hoffe der lange Roman hat dich nicht gelangweilt!
    Danke Henry

  5. Hi! Schön, dass der alte Artikel immer noch Leser findet. :) Klar kannst du (K)Ubuntu problemlos neben Windows installieren. Hab ich selbst so schon seit Jahren in diversen Varianten laufen. Dir hier zu erklären, wie das mit den Festplatten bei Linux genau funktioniert, sprengt vielleicht ein bisschen den Rahmen. Deswegen sei dir folgende Anleitung ans Herz gelegt: http://wiki.ubuntuusers.de/Ubuntu_Installation#Schritt-4-Auswahl-der-Partition-Partitionierung
    Ich hoffe, das hilft! :)
    Viele Grüße,
    Moritz

  6. PS: Das Ubuntuusers-Wiki ist sowieso so ziemlich das beste Deutsche “Nachschlagewerk” in Sachen Linux und auch gerade für Neueinsteiger sehr zu empfehlen.

  7. PPS ;) : Achso, um das noch mal klarzustellen. Du kannst Ubuntu auch neben Win7 *und* XP installieren. Nennt man dann Triple-Boot. Sollte bei der Installation von Ubuntu eigentlich keinen Unterschied machen (außer in seltenen Konfigurationen). Wenn du das dann drauf hast, kommt evtl. erst der Linux-Bootscreen (Grub), wo man auf “Windows” geht und dann ein Windows-Bootscreen mit Win7 und XP. (Kann aber auch klappen, dass sich beide Windowse direkt von Grub aus starten lassen, wird nur nicht immer automatisch erkannt.)

  8. Hi Danke für Super schnelle Antwort.
    Echt super!

    Ich werde dann mal auf den Links ” Stöbern ” . :-)

    Ich habe auch bemerkt dass es schon Programme gibt wodurch man Windows Programme ausführen kann auch spiele. Linux wird langsam zum kongruent zu Windows. :)
    Ich persönlich werde hauptsächlich Windows weiter benutzen da es da mehr Tools gibt. Und auch Virtuall Box wo ich Ubuntu erfolgreich installiert habe. Da ist nur das Problem Mit der Erkennung von Monitoren und weitere kleine Einschränkungen. Super seit für Private Seite! Lob an dich :D

Kommentar abgeben