VGA-auf-SCART-Kabel im Eigenbau

Ausgangslage

Computer machen es einem nicht leicht.

Alter HTPC defekt: neue Komponenten müssen her. “Schlau” wie ich bin, greife ich zu einer (gebrauchten) ATI All-In-Wonder X1800 XL. Die soll schließlich Wunder vollbringen können:

  • Kabel-TV-Empfang
  • DVB-T-Empfang
  • (analoger) Radioempfang

Das tollste aber sollte sein:

  • RGB-SCART

RGB-SCART? SCART ist die in Europa übliche Steckverbindung zwischen Video-Zuspielern und Fernsehgeräten (in den USA gibt’s SCART z.B. überhaupt nicht). Das Kürzel RGB steht für “Red, Green, Blue” und steht für die Art und Weise, wie das Bild über das SCART-Kabel übertragen wird.

Es gibt (mindestens) drei Möglichkeiten der Signalübertragung per SCART:

  • FBAS (auch Composite genannt)
  • S-Video (zwar in den SCART-Standards nicht spezifiziert, aber sehr üblich)
  • RGB

FBAS liefert die schlechteste Qualität, RGB die höchste. Bisher hatte ich meinen Rechner per S-Video (und eines S-Video-auf-SCART-Adapters) an meinen Fernseher angeschlossen. Da ich nun sowieso schon dabei war, den Rechner aufzurüsten, dachte ich, es wäre eine geniale Gelegenheit, die bestmögliche Qualität aus dem Röhrenfernseher herauszuholen.

Problem

Irgendwann waren alle Teile da, Rechner zusammengebaut und alle Software neu installiert. Schnell stellte sich Ernüchterung ein. Flächen mit sanften Farbverläufen (egal ob blau, grün, … oder auch grau) zeigten hässliche Stufen in den Farbverläufen (sogenanntes “Banding”). Wer sich noch an Zeiten erinnern kann, als man 3D-Spiele nur mit 16 Bit Farbtiefe spielen konnte, wird das Phänomen kennen. Es stehen einfach nicht genügend Farben zur Verfügung, um Farbverläufe ordentlich darstellen zu können.

Aber wieso sollte mich dieses Problem auf einmal betreffen? Die Farbtiefe war korrekt auf 32 Bit eingestellt und über eine VNC-Verbindung (mit der ich meinen Medien-Rechner über mein Notebook steuere) konnte ich sogar sehen, dass die Farben eigentlich richtig angezeigt werden sollten.

Eine Woche und etliche Stunden ergebnislosen Herumprobierens später schilderte ich mein Problem in der Newsgroup de.comp.tv+video. Dort kannte jemand die Lösung für mein Problem. Meine ATI All-In-Wonder gibt das Bild per SCART wundersamerweise einfach nur in 16 Bit aus, weil das Bild auf dem Weg zum SCART-Ausgang intern in 16 Bit umgewandelt wird.

Ob das nun so stimmt, kann ich natürlich nicht sagen. Für mich sah und sieht es aber ganz danach aus. (Eine Schweinerei, dass ATI sowas so auf den Markt bringt. Oder hab doch nur ich das Problem? Wieso gibt es nicht dutzende ähnlich lautender Beschwerden im Netz…?)

Was also tun? Da hatte ich extra viel Geld ausgegeben für eine ach-so-tolle Karte, die jetzt fast wertlos war. Diese Karte hat nämlich nur diesen SCART-Ausgang und keinen normalen S-Video-Ausgang zusätzlich. Ich hatte also gar keine Möglichkeit, die Karte an den Fernseher anzuschließen und gleichzeitig ein ordentliches Bild zu bekommen.

Lösung: Hardware

Auf meinen stundenlangen Touren im Netz rund ums Thema SCART war ich auf eine interessante Möglichkeit gestoßen: Man kann einen Fernseher direkt über den VGA-Anschluss (wo normalerweise ein analoger Monitor dranhängt) anschließen. Das Problem dabei ist nur, dass es die entsprechenden Kabel nicht zu kaufen gibt. (Es gibt zwar Kabel mit VGA- und SCART-Stecker, aber die sind für SCART-auf-VGA und werden manchmal z.B. für Beamer gebraucht. Auf jeden Fall sind sie falsch verschaltet und für den VGA-auf-SCART-Zweck nicht zu gebrauchen. Diese Kabel findet man oft in der Bucht, etc. Also aufpassen und genau lesen.)

Ein Kabel muss man sich also selbst basteln. Oder es schaffen, ein selbstgebasteltes irgendwo im Netz zu finden und zu kaufen (ist mir nicht gelungen ;) ). Das Ganze wird auch dadurch nicht einfacher, dass es verschiedene Schaltpläne für solche Kabel gibt, die sich je nach Hardware und Gemütszustand des dahintersteckenden Technik-Genies unterschieden. (Es ist aber genial, dass man da überhaupt so viele Informationen findet!)

Glücklicherweise konnte ich jetzt rein zufällig eine ATI-Karte mein Eigen nenen. Da muss man vergleichsweise wenig zusammenlöten. NVidia-Karten brauchen allem Anschein nach ein wenig mehr Hilfe.

Mein Kabel basiert auf der Anleitung unter http://ryoandr.free.fr/english.html. Noch etwas übersichtlicher wird das alles in einem Thread auf myhtpc.de abgehandelt. Die Bilder der beiden hier dargestellten Schaltpläne stammen von dort.

vga2scart_ati

Das Bild zeigt die Verschaltung von VGA- und SCART-Stecker. Wie man sieht, ist das alles an und für sich nicht übermäßig kompliziert. Schwierig wird’s nur durch die vielen verschiedenen Stränge (man darf nicht durcheinanderkommen ;) ) und die geringe Größe der involvierten Stecker.

Für die Herstellung des Kabels habe ich ein altes VGA-Kabel (leider ohne Pin 9; irgendwie sind Kabel schwer zu bekommen, die einen Pin 9 haben) und ein altes SCART-Kabel genommen (dessen Pins auf einer Seite sowieso leicht verbogen waren).

Weil die Stecker so klein sind (vor allem der VGA-Stecker) habe ich mich dafür entschieden, nicht die Drähte direkt an einen der Stecker zu löten (dafür SCART würde sich anbieten, der ist größer). Stattdessen habe ich die Drähte genommen, die an meinem verwendeten VGA-Kabel schon dran waren und hab diese ca. 10 cm vom VGA-Stecker entfernt mit den Drähten des SCART-Steckers zusammengelötet. Am Ende noch ordentlich Tape drumrum und fertig war mein extrem professioneller Stecker. ;) (Vor dem Löten habe ich mir eine genaue Tabelle geschrieben, welche Farbe des jeweiligen Kabels zu welchem Pin gehört. Damit konnte ich die richtigen Drähte dann problemlos einander zuordnen und hab’s gleich beim ersten Versuch richtig gemacht.)

scart_control

Manchen Fernsehern (meinem zum Beispiel) muss man “sagen”, dass am SCART-Eingang ein RGB-Signal anliegt, indem man eine Spannung von 1 bis 3 V anlegt. Eigentlich kann man diese Spannung über Pin 9 am VGA-Stecker abgreifen. Ich habe aber kein VGA-Kabel gefunden (auch bei Conrad Electronic direkt im Laden nicht), wo Pin 9 am Stecker tatsächlich existiert hat. Also habe ich kurzerhand ein altes, sowieso schon vorhandenes VGA-Kabel (ohne Pin 9) genommen und die fehlende Spannung direkt vom Netzteil des Rechners geschnappt. Gemacht habe ich das, wie auf der Abbildung gezeigt (das Bild stammt wieder aus diesem Thread).

(Ich habe das Kabel übrigens zuerst ohne diese Hilfsspannung getestet: Bei meinem TV kam kein Bild an.)

Kleiner Hinweis für potenzielle Nachbastler: Als ich mein altes VGA-Kabel auseinandergebaut habe, habe ich festgestellt, dass der VGA-Stecker auf einer der beiden Seiten soetwas wie einen kleinen Widerstand (o.ä.) eingebaut hatte. Ich habe die andere Seite genommen. Dort waren die Drähte direkt mit den Pins des Steckers verbunden. Ich weiß nicht, ob es mit beiden Steckern gleich funktionieren würde.

Lösung: Software

Schließt man den Fernseher mittels des Selbstbau-Kabels an den Rechner an, sieht man noch nicht sehr viel. Der POST-Screen beim Booten ist zu erahnen, flirrt jedoch mit hoher Geschwindigkeit über den Fernseher. Genauso geschieht es mit dem Windows-Bootscreen. Man kann zwar erkennen, was es sein könnte, aber nutzbar ist das so nicht.

Um nun auch ein ordentliches Bild auf den Fernseher zu bekommen, muss man der Grafikkarte sagen, dass sie dem Fernseher ein Interlaced-Signal mit genau den richtigen Frequenzen vorsetzen soll.

Für Windows bietet sich das Tool Powerstrip an. Es ermöglicht dem Nutzer, alle möglichen Einstellungen seiner Grafikkarte sehr genau zu kontrollieren.

Auf mehreren Seiten gibt es Einstellungstipps für Powerstrip. Ein gängiger Vorschlag, um ein ordnungsgemäßes PAL-Bild auf den Fernseher zu bekommen, sind folgende Einstellungen.

PowerStrip timing parameters:
720x576=720,42,72,134,576,3,28,18,15125,41

Generic timing details for 720x576:
HFP=42 HSW=72 HBP=134 kHz=16 VFP=3 VSW=28 VBP=18 Hz=25

Linux modeline parameters:
"720x576" 15.125 720 762 834 968 576 579 607 625 interlace +hsync +vsync

Diese produzieren bei mir (fast) ein ordentliches Bild. Das Bild ist noch nicht ganz stabil, der Fernseher pfeift recht stark und außerdem habe ich an den Rändern “Luft”; die Mattscheibe des Fernsehers wird nicht komplett ausgenutzt. Es ist mir nicht gelungen, mit dieser (standardgemäßen PAL-)Auflösung ein ordentliches (mattscheibenfüllendes) Bild auf den Fernseher zu zaubern.

Der Schlüssel zum Erfolg waren ein paar andere Einstellungen, die ich in diesem (langen) Thread auf myhtpc.de gefunden habe. Diese Einstellungen passen auch deshalb so gut zu meinem Fernseher, weil ich eine 16:9-Röhre habe. Die Auflösung von 1024×768 entspricht genau dem 16:9-Seitenverhältnis. Damit wird sogar der Desktop unverzerrt dargestellt und man muss bei der Videowiedergabe weniger oft am Seitenverhältnis spielen, damit alles stimmt. ;)

PowerStrip timing parameters:
1024x576=1024,40,20,160,576,21,9,53,20493,568

Generic timing details for 1024x576:
HFP=40 HSW=20 HBP=160 kHz=16 VFP=21 VSW=9 VBP=53 Hz=25

VESA detailed timing:
PClk=20,49 H.Active=1024 H.Blank=220 H.Offset=24 HSW=20 V.Active=576 V.Blank=83 V.Offset=21 VSW=9

Linux modeline parameters:
"1024x576" 20,493 1024 1064 1084 1244 576 597 606 659 interlace +hsync +vsync

Diese Einstellungen musste ich nur noch ein klein wenig justieren (mittels der Oberfläche von Powerstrip alles kein Problem) und bin damit bei meinen momentan verwendeten Einstellungen. Das Bild ist komplett ausgefüllt und der Fernseher pfeift nicht (befindet sich also nicht an seiner Frequenz-Leistungsgrenze).

PowerStrip timing parameters:
1024x576=1024,26,32,174,576,21,9,53,20493,568

Generic timing details for 1024x576:
HFP=26 HSW=32 HBP=174 kHz=16 VFP=21 VSW=9 VBP=53 Hz=25

VESA detailed timing:
PClk=20,49 H.Active=1024 H.Blank=232 H.Offset=10 HSW=32 V.Active=576 V.Blank=83 V.Offset=21 VSW=9

Linux modeline parameters:
"1024x576" 20,493 1024 1050 1082 1256 576 597 606 659 interlace +hsync +vsync

Ich muss sagen: Die Arbeit hat sich gelohnt.

Ich kannte bisher das Bild, dass man mit üblichen S-Video-TV-Ausgängen auf den Fernseher bekommen kann. Meine alte Grafikkarte war eine ATI Radeon 9500 Pro, der man eigentlichen einen ganz ordentlichen TV-Ausgang nachsagt (die Qualität schwankt da ziemlich von Karte zu Karte und vor allem Hersteller zu Hersteller).

Das Bild aber, das ich jetzt auf dem Fernseher habe, ist deutlich besser. Es ist extrem scharf. Wäre da nicht das 50-Hz-Flimmern (bei 50-Hz-Fernsehern nicht zu umgehen), das vor allem bei feinen Linien auffällt, könnte man sogar problemlos von der Couch aus surfen. (Von dem Flimmern bekommt man bei Filmen nichts mehr mit, dort kommen so feine, horizontale Linien fast nie vor.)

Ich nutze Mediaportal (dazu vielleicht bald ein weiterer Blog-Eintrag) als Softwarebasis, um fernzuschauen, Videos anzusehen, etc. Alle Menüs sind super scharf und es macht einfach Spaß, das System zu benutzen.

Auf der Trailer-Seite von Apple lassen sich High-Definition-Trailer in 480p und 720p (und 1080p) herunterladen. Die Darstellung auf dem Fernseher ist tatsächlich so gut, dass man noch einen qualitativen Unterschied zwischen 480p und 720p sehen kann. 720p sieht einen guten Tick schärfer aus. Hier merkt man, dass die 576 Zeilen, die an den Fernseher geschickt werden und von denen man (dank leichtem Overscan) vielleicht 550 sehen kann, wirklich was bringen. :)

Eine Odysee. Aber immerhin erfolgreich. ;)

17. April 2008 von Moritz
Kategorien: Hardware | Schlagwörter: , , , , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Pingback: Analogfernseher an VGA oder DVI Ausgang des Computers anschliessen | hilpers

  2. Danke für die Bastelanleitung! Sehr gut zu wissen!

  3. Danke für den tollen blogeintrag :) wenn ich zeit haben werde ich diese anleitng mal nachbasten :) , es wird aber glaube ich zu einem problem kommen, da ich dies für ein netbooj (Acr Aspire One D150) basteln will kann ich glaube ich schlecht noch die spannung vom Netztel abgreifen (da ich auch nicht das netbook aufschreiben will(garantieverlust))

    Würde es den sonst klappen wenn ich ein kabl mit Pin9 finde? würde mich sehr freuen wenn du dich bei mir per mail melden könntest =)

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