Gedanken zur Fotocloud

Nur ein paar kurze Gedanken: Die ominöse Cloud gewinnt für viele Softwarefirmen/Dienstleister/Ökosystemanbieter offensichtlich immer mehr an Bedeutung. Bald (wenn nicht jetzt schon?) wird es wohl soweit sein, dass Anbieter ohne entsprechendes Cloud-Backend nicht mehr mithalten können. Womit mithalten? Ich denke, cloudbasierte Dienste bieten mehr und mehr einen Bedienkomfort („It just works!“), den Nutzer nicht mehr missen wollen (werden). Wer unpraktisch und umständlich zu bedienen ist, verliert.

Deutlich wird das aus 0815-User-Sicht (= „Normalbürger“) gerade bei den „Fotoclouds“, also Diensten, die (halbwegs) automatisch dafür sorgen, dass der Endanwender weniger Stress hat, mit der zunehmenden Masse an (Smartphone-)Fotos klarzukommen. Ins Auge gestochen ist mir das in den letzten Tagen, weil G+ hier eindeutig versucht, zum Vorreiter zu werden. Mit Erfolg, wie ich finde.

Ich habe mich gefragt, wie die Fotocloud-Landschaft denn gerade aussieht. Diese Infos schwirren in meinem Kopf umher:

Apple

Bietet mit dem PhotoStream seit geraumer Zeit einen automatischen Fotoupload, der ab und zu ganz praktisch ist. Handyfotos werden im Hintergrund (bei WLAN-Verbindung) hochgeladen, leben also in der Cloud, sind damit automatisch sofort gesichert, und können mit anderen Nutzern geteilt werden („Shared Photostreams“). Nachteil: Richtig praktisch ist das nur, wenn der Empfänger ebenfalls ein iOS-Gerät besitzt. Typisch Apple eben. Weitere Nachteile: Videos werden nicht hochgeladen. Es gibt kein Webinterface. Es werden nur die letzten 1000 Fotos im Stream gehalten.

Praktisch ist das ganze auch am Rechner, weil der Photostream dort ebenfalls aktuell gehalten wird und man die Fotos vom iPhone sofort parat hat, wenn man sie mal braucht. (Das geht übrigens paradoxerweise unter Windows einfacher als unter OSX — zumindest, wenn man kein iPhoto nutzt.)

Google

Hat mit den Picasa Webalbums eigentlich schon seit langem einen Fotodienst in petto, der aber zumindest in meinem Umfeld nie wirklich durchgestartet ist (selbst ich hab das kaum genutzt und das will was heißen). Im Rahmen der großen Vereinheitlichungsoffensive wird in Sachen Fotos jetzt ganz auf G+ gesetzt (so wie auf Hangouts in Sachen Chat).

Schon seit einer Weile kann die G+-App die mit dem Smartphone geschossenen Fotos automatisch hochladen — unter Android dauerhaft im Hintergrund, beim iPhone nur dann, wenn man die App startet (bzw. einige Minuten lang nachdem man die App wieder schließt).

Neu ist die tolle Integration der Fotos in den G+-Dienst. Die Fotoübersicht ist optisch schön (chronologisch) aufbereitet. Dank der neuen, „automagischen“ Bildeffekte entstehen aus passenden Fotos automatisch Collagen (funktioniert eher mäßig), animierte GIFs (genial!), Panoramen und HDRs (beides noch nicht getestet). Alle Fotos können natürlich bequem über G+ geteilt werden. Man kann die Fotos allerdings auch herunterladen  (einzeln oder alle markierten als ZIP), der Dienst eignet sich also auch eventuell als Backup. Ach ja, Videos werden ebenfalls automatisch hochgeladen, vorher aber auf eine ziemlich miese Qualität runterskaliert und -komprimiert.

Automatisch runterskalierte Fotos (max. 2000px Kantenlänge, glaub ich) können in unbegrenzter Menge gespeichert werden. Optional werden auch die Originalfotos übertragen und gespeichert, wofür momentan 5GB kostenlos zur Verfügung stehen (bald 15GB, wenn die Speicher von G+, GMail und GDrive zusammengeschaltet werden).

Was fehlt, ist der automatische Download auf den archaischen „Großrechner“ — oder geht das per GDrive-App?

Dropbox

Hat vor einer Weile einen automatischen Fotoupload zu seinen Apps hinzugefügt. Das funktioniert auf Android und iPhone genau so wie bei der G+-App.

Interessanterweise bietet Dropbox das aber auch auf dem Desktop an. Dort kann der Dropbox-Client automatisch Fotos von SD-Karten und angeschlossenen Kameras hochladen. Für mich war das nie interessant, weil ich meinen wertvollen Dropbox-Speicherplatz nicht mit Fotos füllen wollte, für die ich sowieso schon eine andere Backupstrategie habe. Für viele weniger technikversierten Anwender könnte das aber ein praktisches Feature sein. (Dropbox hat das in der Vergangenheit auch schon versucht, zu forcieren, indem sie z.B. Kooperationen mit Smartphoneanbietern eingegangen sind, Dropbox vorinstalliert haben und mehr kostenlosen Speicherplatz gesponsert haben.)

Dropbox ist deswegen so toll, weil man alle Daten auf allen Geräten verfügbar hat. Das gilt natürlich auch für dort hochgeladene Fotos. Das Webinterface ist ebenfalls schick. Teilen lassen sich die Fotos vom Webinterface aus natürlich nicht so praktisch, wie z.B. bei G+ direkt.

flickr

Ist ein Urgestein in Sachen Fotoupload, -backup und -sharing. Lange für (Un-)tot gehalten, kehrt in letzter Zeit wieder Leben ein. Ich nutze den Dienst seit mittlerweile knapp 6 Jahren und habe dort entsprechend viele Fotos liegen. Seit kurzem hat flickr sein Augenmerk auf soziale Komponenten und das mobile Netz gelegt. Die neue Smartphone-App ist schick und erlaubt das schnelle Hochladen und Teilen von Fotos.

In dieser Übersicht ist flickr dennoch etwas fehl am Platz, es bietet nämlich keinen automatischen Upload. Es folgt weiterhin der „altmodischen“ Devise, nur manuell ausgewählte Fotos hochzuladen. Für meinen Einsatzzweck ist das absolut in Ordnung. Vielleicht verpasst flickr hier aber eine Chance. Zum neuen Geschäftsmodell (1TB Speicherplatz kostenlos für jeden) würde ein automatischer Upload und eine tolle Anbindung an fremde Social-Media-Dienste (+ Ausbau der eigenen Social-Funktionen) passen wie die Faust aufs Auge.

Facebook, Microsoft, Amazon

Ja, was ist mit denen?

Facebook hat die User, hat Fortschritte in Sachen Fotoupload gemacht, kommt aber an G+ bei Weitem nicht heran. Leider. Ich würde die G+-Foto-Funktionalität lieber in Facebook haben… dort habe ich wenigstens persönliche Kontakte, denen ich Fotos zeigen will.

Microsoft ist ein offensichtlicher Kandidat für einen cloudbasierten Fotodienst und hat mit dem eigenen Azure-Cloud-Service auch die technische Basis dafür. Wie so oft hinkt es aber hinterher. (Ich weiß auch gar nicht, wie es um die Integration der Fotoclouds von G+ und Dropbox in Windows Phone 8 steht.)

Amazon ist ein ebenso offensichtlicher Kandidat. Auch hier steht die Infrastruktur bereit. Ein eigene Fotodienst würde gut ins Bild des All-in-One-Providers passen (nutzerfreundlicher Android-Fork, eigener Film-Dienst, eigener Musik-Dienst, etc.)

Was fehlt?

Problem mit all diesen Ansätzen ist die Walled-Garden-Mentalität — mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Ein von G+ generiertes GIF bei FB teilen? Der tolle Prozess, der mir eigentlich Arbeit abnehmen soll, wird unterbrochen. Ich muss das Bild runterladen und wieder hochladen. Immer noch vergleichsweise wenig Arbeit. Aber das sind genau die Handgriffe, von denen wir zunehmend (und richtigerweise) erwarten werden, dass wir sie nicht machen müssen.

Es gab in letzter Zeit also tolle Fortschritte dabei, uns das Leben zu erleichtern. Leider wird es wohl ein Wunschdenken bleiben, dass die diversen Anbieter jetzt auch im Teilen von Inhalten untereinander Fortschritte machen.

28. Mai 2013 von Moritz
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